03.09.2010

Zu einem Blog aus Skandinavien gehört eindeutig auch ein Beitrag zu Elchen. Nun wohnen Elche hauptsächlich in Norwegen und Nordschweden, und ich an der Grenze zu Südschweden. Aber auch nach Dänemark soll sich schon der ein oder andere Elch verirrt haben. Leider ist es diesen mutigen Pionieren, die ihren Lebensraum auf dem europäischen Festland zurückerobern wollten, bisher selten gut ergangen. – Die für die Elche günstigste Variante war noch, dass sie im Öresund schwimmend von den schwedischen Behörden abgefangen und nach Schweden zurückgeschickt wurden. Ausreiseverbot sozusagen.

Allgemein ist ja bekannt, dass die Einwanderung nach Dänemark nicht leicht ist, seit die dänische Volkspartei (Dansk Folkeparti) mitregiert. Das dänische Jagd- und Forstwirtschaftsmuseum (Dansk Jagt- og skovbrugsmuseum) dokumentiert ganz eindrucksvoll die verzweifelten Versuche heldenmutiger Elche über Dänemark nach Europa einzuwandern. Bis zum zweiten Weltkrieg gab es in Mecklenburg-Vorpommern, Ostbrandenburg, Ostpreußen und Schlesien durchaus noch Elche. Und vielleicht hat sich das Gerücht von der Entvölkerung Ostdeutschlands und die guten Erfahrungen der Lausitzer Wölfe auch bereits bis zu den schwedischen Elchen verbreitet.

Haupthindernis aber ist es bisher, erst einmal an Dänemark vorbeizukommen. Einige Elche, die nicht das Glück hatten, von den Schweden gestoppt zu werden, sind im Öresund ertrunken, bevor sie Dänemark auch nur erreicht haben. Andere wurden in Dänemark „verhaftet“ und in Tierparks gesteckt. Schlimmer erging es den zweieinhalb Museumselchen (2 Elche und ein Elchkopf), die man heute ausgestopft in der Sammlung des Jagdmuseums sehen kann. An Hand der ausgestopften Elche will das Museum „die fantastische Geschichte der Elche in Dänemark“ erzählen.

Dabei kann man die dänischen Elche beinahe an einer Hand abzählen. Zu Berühmtheit gelangt ist beispielsweise eine Elchkuh, die von 1933 bis 1951 in Gribskov im Norden Seelands gelebt hat. Sie bekam im Laufe der Jahre mehrfach Besuch von schwedischen Elchen und die dänische Nation verfolgte gespannt mit, ob es Elchbabys geben würde. Offenbar wurde daraus nichts und in den letzten hundert Jahren gab es in Dänemark nur sechs wild lebende Elche. Als die berühmte Elchkuh 1951 an Altersschwäche starb, startete die Boulevardzeitung Ekstra Bladet eine Kampagne, in deren Ende als Ersatz ein neuer Elch aus Schweden importiert wurde.

Nicht alle dänische Elche hatten so eine hohe Lebenserwartung wie die Elchkuh von Gribskov. Einen männlichen Elch beispielsweise schoss man lieber gleich ab, weil er gefährlich sein könnte. Ein anderer Elch verschwand spurlos, ein dritter wurde von einem Auto überfahren, ein vierter von einem Zug. Auch der aus Schweden importierte und ausgesetzte Elch hatte nicht gut lachen. Nach kurzer Zeit in Freiheit fingen ihn die Dänen wieder ein, weil er zu gefährlich schien. Er starb kurz darauf im Tierpark.

Seit der letzte Elch vor zehn Jahren überfahren wurde, ist es erstaunlich ruhig geblieben um die nach Europa einwandernden Elche. – Aber ich bin mir sicher, dass der Schein trügt: Die Elche planen sicher schon den nächsten großen Coup.

1 Kommentare zu Kulturstudien XI: Über das tragische Schicksal der dänischen Elche und die Tücken der Einwanderungspolitik
  1. Sabine
    Bei dieser liebevollen Aufforderungen machen sich die Elche garantiert auf den Weg. Bestimmt hat das norweschentier schon zum Sprung angesetzt und meint: weiter so.
    05.09.2010 21:09
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