19.02.2011

fb_tadracomixMeine Freunde leben jetzt zunehmend digital.

Eine Bekannte erzählte, dass sie jetzt „vielleicht“ einen Freund hat – kennen gelernt via Internetportal. – Das ist praktisch, denn da kann man schon vor dem ersten Treffen die schlimmsten Macken abwählen und nur denen schreiben, die in etwa gleiche Bildung, Hobbys und Lebensvorstellungen haben. Ist die Beziehung erst einmal in Gang, kann man sich in sozialen Netzwerken wie Facebook dann auch prima gleich öffentlich outen und im Beziehungsstatus angeben, mit wem man zusammen, verlobt oder verheiratet ist.

Den nächsten Schritt wagte vor kurzem ein Paar in Schweden: Wie die Zeitung Sydsvenskan am 19. Februar berichtete, hielt Johan Ericson, ein junger Mann aus Östersund, via Facebook um die Hand seiner Freundin Marie Jansson an. Eigentlich wollte er sie dafür zum essen einladen, aber dann schrieb er einfach in die Statuszeile seines Profils @Marie Jansson: Willst du mich heiraten?

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Die Freundin fragte sicherheitshalber noch mal per Handy nach, bevor sie dann den Like-Button drückte. – Das Geld für ein teures schwedisches Restaurant haben die beiden so auf alle Fälle gespart.

Ist das erste Kind geboren – so konnte ich bei mehreren anderen Bekannten mitverfolgen – werden die ersten Fotos neuerdings schon direkt aus dem Kreissaal per Handy auf Facebook veröffentlicht. Jeder Schrei, jedes Brabbeln ist nun fortan digital zu beobachten.

Ich bin mir sicher, das wir die Spitze der Digitalisierung unseres Privatlebens noch lange nicht erreicht haben. Wäre es nicht z. B. schön, wenn Johan Ericson und Marie Jansson ihre Hochzeit online live übertragen würden für die entfernten Verwandten, die vielleicht in Lappland wohnen? Oder warum nicht gleich die ganze Fete in kleinem Kreis feiern und die Freunde per Livestream teilhaben lassen?

Es lebe das Internet!

2 Kommentare zu @ Julia Capulet: Willst du mich heiraten?
  1. Georg
    Toller Artikel. Ja sind wir denn noch zu retten?
    Oh ich muss aufhören - es zwitschert? ach es war bloß ein Vogel....
    20.02.2011 10:02
  2. Salome Hochstett
    Sehr interessant die Vision, hoffentlich wird sie bemerkt und dann auch noch in Betracht gezogen bei der weiteren Vernetzung des Alltags. Vielleicht müssen wir uns mal wieder fragen, ob es tatsächlich unser Erlebnis ist, wenn wir jeden daran teilhaben lassen oder ob etwas erst zum Erlebnis wird, wenn jemand teilhaben kann. Diese Tendenzen gab es in der Geschichte schon öfter: Tagebuch, Reisebericht... Nur die Möglichkeiten waren nicht so groß wie heute.
    20.02.2011 11:02
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