Zum Jahresende noch ein kurzer Kommentar zum „Ende des Brots“! In Zeiten von weltweiter Überbevölkerung und Resourcenknappheit, soll es hier aber nicht um die Tücken der globalisierten Agrarwirtschaft gehen, sondern um ein beinahe ebenbürtiges Thema: die tausend Namen der letzten Brotscheibe.

Für die Einen eine Delikatesse, für die Anderen Abfall. Für mich ist die erste oder letzte Scheibe eines knusprigen Brots immer besonders lecker, aber seit ich in Dänemark wohne, muss ich feststellen, dass diese „Delikatesse“ dort meist verschmäht wird. – Egal ob Oma, Schwiegervater oder Schwägerin, alle überspringen die erste oder letzte Scheibe vom Rugbrød und greifen zur nächsten. Zugegebenermaßen schmeckt diese auch nicht so knusprig wie das Pendant eines frisch gebackenen Mischbrots.
Knust, Ränftl, Scherzl
In Dänemark hat das Endstück vom Brot (meines Wissens) auch keinen Namen – außer Endscheibe (endeskive). Schaut man in den deutschsprachigen Raum, tut sich hier eine linguistische Vielfalt auf, die ihresgleichen sucht. In Thüringen und Sachsen wohnen Kniestchen, Knäuschen, Ränftl, Rampftl und Rampferl. In Bayern und Österreich ist das Scherzl zu Hause (in Niederbayern gar das Achtscherzl, in Oberbayern das Kipferl, in Augsburg das Giggale und in Wien das Buckl). In Zürich gibt es das Scherbel und im Ruhrgebiet und Rheinland das Knäppchen. Darüber hinaus finden sich Kruste, Krüstchen, Stützle, Anschnitte und Endteile, und in der Eifel das Kürstje, in Südhessen das Knörzje, in der Oberpfalz das Sterzl, in Franken das Gnärzle oder auch Gnätzla, in Baden das Gniesel oder Gneisel, in Schwaben das Kneisle, Knäusle oder Kneisele, im Westerwald das Krestje, am Niederrhein das Futtestück und in Norddeutschland den Knust oder Kanten. In Hamburg hat das Brot sogar einen Brotmund. In Ostfriesland wiederum heißt das Endstück vom Brot einfach Endstück – kein Wunder, es liegt ja so nah an Dänemark (siehe: endeskive). – Im Diskussionsforum von Kuechengoetter.de, wo das Thema ausführlich erörtert wurde, trug ein Nutzer auch noch mit dem italienischen Begriff zur Diskussion bei: „il culino del pane“, zu Deutsch: „der Hintern des Brotes“... – In diesem Sinne: Lasst es euch schmecken, auch nach dem Hintern des Jahres 2011.
Vielen Dank an das interessante Forum der Küchengötter: http://www.kuechengoetter.de/community/forum/Wie-heisst-bei-Euch-das-Endstueck-vom-Brot--beitrag-173441.html

Ich warte sehnsüchtig auf die nächste linguistische Studie.