Kulturstudien Teil IV: Man kann durchaus in Deutschland leben, ohne je in der Hauptstadt gewesen zu sein. Wer aber in Dänemark etwas auf sich hält, der pilgert gen Berlin.
„Was soll ich in Berlin?“, kann ich mich erinnern, dass ein Mädchen in Hamburg mal gesagt hat, „Da ist doch nur dieses Tor.“ Kein Kommentar.
Hamburg meine Perle. Wahr ist aber, dass Deutschland viele Einwohner hat, die nie in Berlin gewesen sind und das auch nicht vorhaben. Hamburg meine Perle, Laptop und Lederhose, in Frankfurt ist die Welt zu Hause, das grüne Herz Deutschlands und das Land der Frühaufsteher, und so weiter und so fort – was soll man da noch in Berlin? Vielleicht mal eine kurze Stipvisite, die eine oder andere Ausstellung, Messe, etc. Aber setzt Berlin Trends für ganz Deutschland?
Berlin – bald dänisch?
Was viele für Deutschland abstreiten, könnte allerdings für Dänemark passen. Nicht nur die junge Generation unseres nördlichen Nachbarlandes hat Berlin als neue Kultstadt für sich entdeckt. Man macht nicht nur Urlaub und fährt zum Feiern nach Berlin, man macht Austauschjahre, kauft Wohnungen und Ferienhäuser in Kreuzberg und Friedrichshain, übernimmt die neusten Modetrends, lobt das Flair der Cafés, das alternative Künstlermilieu, und dänische Bands lassen sich bevorzugt in Berlin nieder, um an der grossen Weltkarriere zu feilen.
Kommt man als nicht-berliner Deutscher nach Dänemark, merkt man schnell, dass die meisten Dänen sich in Berlin besser auskennen als man selbst. Nur mässiges Interesse an der Stadt stösst auf blankes Entsetzen.
