01.06.2010

„Was soll ich in Berlin?“, kann ich mich erinnern, dass ein Mädchen in Hamburg mal gesagt hat, „Da ist doch nur dieses Tor.“ Kein Kommentar.

Hamburg meine Perle. Wahr ist aber, dass Deutschland viele Einwohner hat, die nie in Berlin gewesen sind und das auch nicht vorhaben. Hamburg meine Perle, Laptop und Lederhose, in Frankfurt ist die Welt zu Hause, das grüne Herz Deutschlands und das Land der Frühaufsteher, und so weiter und so fort – was soll man da noch in Berlin? Vielleicht mal eine kurze Stipvisite, die eine oder andere Ausstellung, Messe, etc. Aber setzt Berlin Trends für ganz Deutschland?

Berlin – bald dänisch?

Was viele für Deutschland abstreiten, könnte allerdings für Dänemark passen. Nicht nur die junge Generation unseres nördlichen Nachbarlandes hat Berlin als neue Kultstadt für sich entdeckt. Man macht nicht nur Urlaub und fährt zum Feiern nach Berlin, man macht Austauschjahre, kauft Wohnungen und Ferienhäuser in Kreuzberg und Friedrichshain, übernimmt die neusten Modetrends, lobt das Flair der Cafés, das alternative Künstlermilieu, und dänische Bands lassen sich bevorzugt in Berlin nieder, um an der grossen Weltkarriere zu feilen.

Kommt man als nicht-berliner Deutscher nach Dänemark, merkt man schnell, dass die meisten Dänen sich in Berlin besser auskennen als man selbst. Nur mässiges Interesse an der Stadt stösst auf blankes Entsetzen.

27.05.2010

Manchmal nimmt die dänische Angst vor den negativen Effekten des beinahe schon verjährten ”Karikaturenstreits” kroteske Züge an. Pünktlich zum Grand Prix 2010 macht man sich Sorgen, dass die Karrikaturen Dänemarks Platzierung auf den vordersten Rängen gefährden könnte. Die grosse Tageszeitung Politiken zitiert einen Popmusikexperten der Uni Kopenhagen: Es bestehe ein Risiko dafür, dass der Mohammedkarrikatur-Faktor einspielen und eine gute Platzierung verhindern könnte. (Link zum Artikel: http://politiken.dk/kultur/musik/article979946.ece).

Das wirkt nicht nur surreal, es erweckt den Eindruck, dass eine Handvoll Zeichner, allen voran der mehrfach bedrohte Kurt Westergaard, mit ihrer Serie von zwölf Karikaturen, im Jahr 2006 wohlgemerkt, nicht nur das Image eines Landes nachhaltig geprägt haben. Auch die Selbstwahrnehmung der Dänen scheint nun verzerrt. Es steht zu erwarten, dass dem europäischen Grand Prix-Publikum die verschrieenen Zeichnungen piep egal sein werden. – Sollten das nicht so sein, kann die politische und kulturelle Bedeutung von Kunst neu bewertet werden.

Schweden hat übrigens versucht, auf den Karikaturenzug aufzuspringen und sich nicht gescheut, eigene Mohammed-Zeichnungen zu publizieren. Aber der Trick scheint nur einmal zu funktionieren.

24.05.2010

Haben Sie schon einmal in einem dänischen Kino gesessen und beherzt in die gerade erworbene Popcorn-Tüte gegriffen - und dann erschrocken die ersten Flocken wieder ausgespuckt? Wer Süßes erwartet, erlebt hier eine salzige Überraschung. Die Frage, warum Popcorn in Dänemark (und Schweden) salzig schmeckt, beschäftigt mich schon lange und weder Google noch Wikipedia scheinen bisher eine Antwort parat zu haben. Ich tröste mich daher nur mit dem Gedanken, dass deutsch-skandinavische Geschmäcker eben verschieden sind. Im Land des Lakritz-Eis, wo man auch mal Käse mit Marmelade und warme Leberpastete mit salzigem Gelee isst, hat auch salziges Popcorn seine Daseinsberechtigung.I Und es schmeckt ja auch, wenn man weiß, was einen erwartet. - Den Dänen geht es übrigens umgekehrt genauso, wenn sie erschrocken das viel zu süße, deutsche Popcorn beiseite stellen. Dann essen sie im Kino vielleicht lieber eine Tüte Gummitiere - und müssen verärgert feststellen, dass die deutsche Standard-Mischung kein Lakritz enthält.