15.11.2011

Noch nicht mal auf der Welt, machen viele Babys heute schon online Karriere. Ob auf Facebook, StudiVZ oder sogar der ersten, eigenen Homepage – die ersten Ultraschallbilder des Nachwuchses sind häufig schon vor der Entbindung online. Die krassesten Ausläufer dieser Entwicklung sind positive Schwangerschaftstests in den Bildergalerien von sozialen Netzwerken, noch bevor die Eltern ganz sicher sein können, dass es der Embryo überhaupt ins nächste Stadium – zum Fetus – schafft. Schließlich gehen Wissenschaftler davon aus, dass die Natur etwa die Hälfte der befruchteten Eizellen schon in den ersten zwei bis drei Wochen und bis zur etwa zwölften Schwangerschaftswoche wieder aussortiert. Wenn die Netzgemeinschaft den ersten Schwangerschaftstest, Ultraschallbilder und Fotos vom schwangeren Bauch synchron online mitverfolgen kann, ja auch schon den Namen des Kindes erfährt, kann man von Glück sprechen, wenn die Geburt dann nach bereits neun Monaten werdendem Leben in der Öffentlichkeit problemlos überstanden ist. – Wahrscheinlich wird es auch hier nicht mehr lange dauern, bis gar Befruchtung und Entbindung per Webcam im Internet live zu beobachten sind. Die ersten Fotos des Babys werden noch aus dem Kreissaal per Handy auf Facebook gepostet und dann geht es weiter mit dem minutiösen Protokoll aus dem Tagesablauf eines Kleinkindes – z.B. auf der eigenen Homepage. Hier können Großeltern, Bekannte und praktisch die ganze Welt mitverfolgen, ob Klein-Laura nun heute ein Bäuerchen gemacht oder gerade Durchfall hat. Leider ist es bisher zuweilen schwer, Inhalte dauerhaft wieder aus dem Netz zu entfernen. Wollen wir für Laura und all die anderen Online-Babys hoffen, dass künftige Arbeitgeber nicht, neben den Profilen in sozialen Netzwerken, auch die alten Babyseiten potentieller Bewerbungskandidaten anschauen werden…